Dienstag, 10. Juli 2012

Hawaiiquali beim Langdistanzdebut!


Ich weiß ehrlich gesagt nicht so ganz, wo ich beginnen soll. Viel passiert in den letzten 3 Tagen. ;-)

Nachdem ich Freitag zur Wettkampfbesprechung angereist bin und die Startunterlagen abgeholt habe, stand am Samstag ein relativ chilliger Tag am Plan. Neben „auf dem Bett liegen und fern sehen, Essen und Trinken, musste nur noch das Rad am Langener Waldsee eingecheckt werden.

Zum Rennen:
Die Wettervorhersage versprach Temperaturen um die 25 Grad und nur gelegentliche Schauer. So sah das Ganze dann (sofern man den Himmel um 3:30 Uhr erkennen konnte) auch aus, als wir am Sonntag aufstanden. Nach einer kurzen Nacht und einem kleinen Frühstück ging es mit dem Shuttlebus zum See. Letzte Rennvorbereitungen, kurzes Einschwimmen und endlich fiel dann um 6:45 Uhr der Startschuß zu meinem ersten Triathlon (s.u. ;-).


Das Schwimmen verlief sehr entspannt. Ich konnte mich schnell mit 3,4 anderen Amateuren vom Feld absetzen und schon nach wenigen 100m schlossen wir zu einigen Profis auf, die ca. 100m vor uns gestartet sind. Von daher hatte ich nicht sehr viel mit Schlägereien zu tun. Mit einer Zeit von 48:34 min. für die 3,8km lag ich genau im Plan.


Am Rad habe ich von Anfang an versucht, „mein Ding“ durchzuziehen. Durch die gute Schwimmleistung war von vornherein klar, dass ich inmitten des Profifeldes aus dem Wasser kommen werde. Profis sind es aber deshalb, da sie (im Verhältnis) genauso schnell Rad fahren und Laufen können. ;-) 


Somit habe ich einige ziehen lassen, obwohl es in dem Moment noch locker gewesen wäre, mitzufahren. Nach ca. 60km setzte dann heftiger Regen ein. Durch die Sturmböen und den teilweise starken Gegenwind wurden die nächsten 80km etwas ungemütlicher. Je länger der Radpart wurde, desto eher merkte ich, dass der nicht ganz so funktionieren sollte, wie ich es geplant hatte. Im Training noch relativ „locker“ einen 40er Schnitt über 70km gefahren, habe ich es hier gerade mal auf einen 36er Schnitt über die 181km gebracht. Etwas frustriert stieg ich somit nach einer Radzeit von 5:01h von meiner Focus-Waffe! Dennoch rechnete ich natürlich und dachte mir: „Naja, wenn das jetzt mit dem 3:20h er Marathon klappt, dann wird’s ja noch eine Zeit um die 9:10h herum, was evtl. für Hawaii reichen könnte.


Der Wechsel verlief problemlos. Plan war nun einen 4:45er Schnitt anzugehen und...durchzulaufen. Ersteres verlief problemlos, aber hintenraus wurde ich dann kontinuierlich langsamer. Auch wenn ich keine großen Magenprobleme hatte und ich in einem Wettkampf muskulär auch schon mal angeschlagener war, ging es einfach nicht mehr schneller. Da ich mich am Rad (und bis km 20 beim Laufen) nur mit Gels und Wasser (sowie einer halben Laugenstange ;-) versorgt habe, hatte ich nach km 20 keine Lust mehr drauf und stieg auf Cola um. Aber auch die brachte keine schnelleren Zeiten mehr.

Was mich jedoch immer wieder motivierte, war die Unterstützung an der Strecke!
Meine Eltern, mein Trainer Dirk Schmidt und viele andere bekannte Gesichter machten die Qualen etwas erträglicher.

Einen richtigen Hänger hatte ich mental zum Glück nie. Wenn man weiß, was man investiert hat die letzten Monate und auf was man verzichtet hat, dann lässt man (oder lasse ich) so was erst gar nicht zu. Und eine 4x10,5km lange Laufrunde ist auch eine schöne Sache...schon bei km 11 ist man in der 2. Runde, in deren Ende man die Hälfte geschafft hat. ;-)

Ca. 4km vor dem Ende jeder Laufrunde stand mein Trainer, der mich immer kurz mit dem Rad begleitete und mich mit Infos bez. der Platzierung versorgte. Bis ca. km 27 sah das auch noch sehr gut aus: Platz 3 in der AK und damit Quali! Jedoch kamen die hinter mir näher und da ich langsamer wurde, konnte ich mir ausrechnen, dass es nicht mehr lange dauern würde. Die letzten 2km wurden dann noch mal etwas schneller, da der Zieleinlauf am Römerberg immer näher rückte. Dieser war dann wirklich unbeschreiblich. Ein tolles Erlebnis, von tausenden von Zuschauern empfangen zu werden und die erste Langdistanz geschafft zu haben. Zwar habe ich etwas mehr von mir erwartet...aber die theoretische Planungen sind bei einer Langdistanz immer so eine Sache. Nach einer ausgiebigen Massage, Dusche, Essen und Trinken holte ich meine Urkunde ab und war erstmal geschockt: 7. in der AK. Somit müssen mich auf den letzten Kilometern 4 überholt haben. „Das wars endgültig mit dem Hawaiitraum“, dachte ich mir.


Die Zeiten im Überblick:
Swim:              48:34 min.
T1:                   3:20 min.
Bike:                5:01:25h
T2:                   1:19 min.
Run:                 3:29:55h

Gesamt: 9:24:35h         Platz 7 AK       Platz 77 Gesamt

Nach den ersten einleitenden Regenerationsmaßnahmen haben wir uns abends noch die letzten Finisher angeschaut. Super Stimmung und meinen Respekt an die Leute, die sich 15 Stunden quälen...dann doch lieber was schneller ;-)

Gestern stand dann noch die „Awards Party“ an, auf der es ein leckeres, großes Buffet gab und die Siegerehrungen sowie die Slotvergabe für Hawaii auf der Agenda standen. Auch wenn ich wirklich nicht dran geglaubt habe, habe ich die 600 Euro, die man direkt cash bezahlen muss, wenn man seinen Slot in Anspruch nimmt, vorher noch abgehoben. Man weiß ja nie!
Die Slotvergabe sollte für mich ein wahrer Krimi werden:
Als ich mich für den Wettkampf angemeldet habe, gab es in meiner AK 5 Qualiplätze. Da dies aber auf 3 heruntergesetzt wurde, wusste ich von Anfang an, dass es sehr schwer werden würde. Selbst der größte Optimist hätte bei meinem 7. Platz daran gezweifelt, dass 4 Athleten vor mir den Slot nicht wahrnehmen. Glücklicherweise bekam unsere AK aber einen weiteren Slot dazu, da in der M70 der einzige Teilnehmer seinen nicht in Anspruch nehmen wollte. „Schön“, dachte ich mir...dann bin ich ja noch näher dran vorbei ;-) Das ärgerlichste an der ganzen Sache: Mein Rückstand auf den 3. waren gerade mal 4:50 min.!
Dann ging es los...“Agegroup 25 to 29...“ Sebastian Küfner, der erste in der AK (und das sehr verdient, mit einer 8:52h!!!) nahm den Platz! Der 2. nahm ihn nicht, der 3. nahm ihn. Es blieben somit noch 2 Slots. Nr. 4 nahm ihn. EINER! Platz 5 war nicht da. Und spätestens jetzt begann das große Zittern. „Roland Roelz“...“Roland Roelz“...es war kein Roland Roelz da und damit war klar:

ICH FAHRE ZUR WM NACH HAWAII!


Der absolute Traum eines jeden Triathleten wird schon in 3 Monaten wahr. Direkt bei der ersten Langdistanz die Quali geholt. Unglaublich. Und ich muss gestehen: So richtig glauben kann ich es immer noch nicht.

Aber das ganze wird noch getoppt:
Den Zieleinlauf habe ich wirklich genossen, da keiner direkt hinter mir war. Die letzten Meter bin ich gegangen. Wer denkt schon daran, dass in der zweiten Startgruppe um 7:00 Uhr vielleicht jemand aus meiner AK sein könnte, der ähnlich schnell gewesen ist und es zudem noch um den letzten Slot in der AK geht? Und so war es: Der 8. in meiner AK war gerade mal 2 SEKUNDEN!!!! langsamer als ich!
Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn ich 3 Sekunden später ins Ziel gegangen wäre und damit  auf der Zielgerade den Qualiplatz um nur eine Sekunde verpasst hätte! Ich glaube mehr Glück kann man nicht haben! Aber ich behaupte einfach mal zu sagen: „Ich habe es mir verdient!“

Nun geht es erstmal mit meiner Freundin (die ebenfalls ein erfolgreiches Langdistanzdebut in Roth hingelegt hat :) für eine Woche in die Alpen. Dort wird NICHT geschwommen (außer vielleicht im Whirlpool), NICHT Rad gefahren (außer vielleicht ein bisschen MTB) und NICHT gelaufen (außer vielleicht zum nächsten Mc ...;-) Alternativsportarten wie River Rafting oder Canyoning werden dort ausgetestet.

Auf jeden Fall ein fettes DANKE an (Reihenfolge willkürlich):
EJOT Team (www.ejot-team.de) (im speziellen Rainer)
Dirk Schmidt (www.multisport-center.de)
Meine Eltern
Meine Freundin
Markus Konrad (www.triathlead.com)

Einen dicken Glückwunsch auch noch mal an die beiden „alten Hasen“. Daniel Knöpke, der ein Wahnsinnsrennen hingelegt hat (8:51h und 15. Gesamt) und Michael Rohleder, der mit einer Zeit von 9:03h auch ein ganz starkes Rennen gezeigt hat. Gemeinsam geht es nach Hawaii.
Das Ganze hier noch mal in einer schönen Collage von Rainer.

Zum guten Schluss:
Natürlich ist solch ein Hawaiistart nicht günstig. Es ging los mit den 600 Euro Startgeld. 
Dazu kommt Flug, Unterkunft,... 
All das müssen wir Amateure natürlich selbst bezahlen. 
Falls sich also wer bereit fühlt, mich bei dem „Traum Hawaii“ ein wenig zu unterstützen: 
Das würde ich nicht ablehnen. ;-)
Natürlich würde auch ich mich auch mit entsprechenden Gegenleistungen erkenntlich zeigen!

AB IN DEN URLAUB! :-)

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